Phänomenale Paddelwoche in Südnorwegen bei Farsund

Sieben Mitglieder, acht Tage Norwegen – vom 25. Juli bis 02. August waren wir auf Fjorden und im Schärengebiet unterwegs. Mit vier Autos und sechs Seekajaks im Gepäck ging es am Freitagmorgen aus Vennikel ins rund 1.000 Kilometer entfernte Farsund an Norwegens Südküste. Paddler Karl W. berichtet:

Am Anreisetag, Samstag, fuhren wir entspannt zur Fähre im Norden Dänemarks bei Hirtshals. Vielleicht hätten wir bedenken sollen, dass in allen nördlichen Bundesländern an diesem Tag Ferienbeginn war? Wie dem auch sei: Nach etlichen Staus und einer unfreiwilligen Stadtrundfahrt durch Hamburg erreichten wir die Fähre gerade noch rechtzeitig. Uns erwartete eine stramme Brise, und allen war klar: Die Überfahrt wird besonders spaßig. Weitere Details bleiben an dieser Stelle auf der Fähre. 😉

In der Nacht suchten wir uns einen abgelegenen Rastplatz an einem See und betrieben einige Stunden „Augenpflege“. Morgens gab es ein improvisiertes Frühstück, bevor wir uns bei bestem Wetter einen Strand ansahen. Mittags ging es voller Vorfreude zum Ferienhaus – unser Basiscamp für die kommende Woche. Das Haus war ein wahr gewordener Traum: perfekt geschnitten, gleich drei Bäder und eine große Terrasse mit unvergesslichem Ausblick. Die Kajaks fanden ihren Liegeplatz auf einer Wiese am Fjordrand von Schafen bewacht unweit vom Haus. Nach einem gemeinsamen Abendessen ging es zeitig in die Kojen, um Kraft für die anstehenden Abenteuer zu sammeln.

Die Paddler – bereit für Abenteuer

Sonntag erwachten wir bei strahlendem Sonnenschein und weiterhin starkem, böigem Wind. Natürlich war die etwas ältere Generation schon früher aufgestanden – um die Jüngeren daran zu erinnern, dass wir zum Kajakfahren hier waren und nicht zum Schlummern. Nach einem ordentlichen Frühstück machten wir uns auf Erkundungstour.

Es ging in den Framfaren, einen etwa acht Kilometer langen Binnenfjord, der nur durch einen Kanal mit unserem Hausfjord verbunden ist. Wir paddelten gegen Wind und Wellen durch unseren Hausfjord, unter einer schmalen Brücke und durch einen schmalen Kanal Nach rund 300 Metern öffnete sich vor uns der riesige, von massiven Bergen umgebene Framfaren – eine einfach phänomenale Aussicht.
Die uns entgegenkommenden Wellen waren für den ersten Tag allerdings recht herausfordernd, also machten wir auf einer Wiese am Ufer Pause. Dort sichteten wir eine Hirschkuh. Einfach schön, bei Sonne im Gras zu liegen und dem Wind in den Bäumen zu lauschen.
Auf dem Rückweg ging es wieder schräg gegen die teils übers Kajak laufenden Wellen. Dann drehten wir über Backbord Richtung Haus und durften einige Wellen Richtung Camp surfen – was für ein Spaß!

Idyllische Paddelpause

Kaum wieder zuhause, erwartete uns Judith mit frisch gebackenem Kuchen. Unglaublich, wie beste Laune noch besser werden kann, wenn man eine gute Seele dabeihat. Vielen, vielen Dank für die guten Taten an dieser Stelle.
Nach einer kleinen Entspannungspause machten wir gemeinsam Abendessen. Mit vollem Magen endete der Abend bei Kartenspielen und Wein – für die einen (Frühaufsteher) recht früh, für die anderen deutlich später.

Der Montag kam schneller als gedacht – wieder sehr windig und sonnig. Heute sollte es Richtung Farsund gehen, um eine Insel und zurück zum Haus. Wir übten den Umgang mit starkem Rückenwind ebenso wie das Fahren schräg gegen die Wellen.

Unterwegs fanden wir eine kleine, schöne Bucht, erkundeten sie und machten uns dann gegen den Wind wieder auf den Heimweg. Die Wellen der Motorboote nutzten wir schonungslos zum Reinigen der Oberschiffe – manche Motorbootfahrer mussten wir allerdings erst zum Beschleunigen animieren.
Kurz vor der Einfahrt in den Hausfjord blickten uns plötzlich zwei schwarze Kulleraugen aus dem Wasser an – ein Seehund! Für einen kurzen Moment konnten wir ihn beobachten, bevor er sich in die Tiefe verabschiedete.

Zuhause gab es – natürlich – wieder Kuchen. Nach dem gemütlichen Abendessen, bei dem irgendwie immer noch alles im Takt der Wellen schaukelte, ging es voller Vorfreude ins Bett.

Schon kam der Dienstag und heute führte der Weg wieder durch den schmalen Kanal Richtung Fjord. Wind und Wellen sollten sich heute im Rahmen halten mit leichten Regen am Nachmittag.

Es lief einfach gut. Wir kamen in einen Paddelflow und hörten gar nicht mehr auf Kilometer zu machen. Am Ende des Fjords fanden wir einen traumhaften Platz für eine Päuschen am Ufer. Doch der Regen kam leider schneller als gedacht, und als in der Ferne auch noch donnerte, wurden wir irgendwie immer schneller und beeilten uns nach Hause zu kommen. Kaum am Haus angekommen, war das Gewitter seitlich weggezogen, und wir genossen Kuchen auf der Terrasse, abends gab es saftige Steaks mit Kartoffeln und Salat.

Schon Mittwoch? Heute musste es etwas Besonderes geben: Bei 25 Grad, Sonnenschein und fast keinem Wind fuhren wir durch Farsunds Hafen ins Schärengebiet. Eigentlich wollten wir den vorgelagerten Leuchtturm umrunden – diese Idee verwarfen wir jedoch, als wir am Ausgang zum offenen Meer stärkeren Wind vorfanden.

Ein Teil der Gruppe wartete in Loshavn, einem malerischen Hafenörtchen, während der Rest gegen den Wind zumindest eine kleine Schäre ansteuerte. Dort frischte es durch eine vorbeiziehende Regenfront ordentlich auf. Nun gab es kein Zurück mehr – wir surften schräg von hinten kommenden, großen Wellen. War das schon die Meterwelle?

Nachdem wir den Rest der Gruppe abgeholt hatten, ging es mit seitlichem Wind und Wellen um eine Landzunge zurück nach Farsund, durch den Hafen, unseren Hausfjord entlang – und zum Haus. Wer hättes es geahnt: wieder gab es Kuchen. 😉 Nach einer Stärkung vom Grill gab es einen ausgiebiger Spieleabend. Ob das am Wein lag?

Am Donnerstagmorgen war es verdächtig ruhig. War es doch zu spät geworden am Abend vorher?
Doch es musste einfach klappen: kaum Wind, bestes Wetter, fast zu warm. Ziel: Leuchtturm umrunden, um eine vorgelagerte Insel und anschließend übers offene Meer zum Strand.

Strandpaddler

Dort angekommen, stürzten sich die Härtesten der Runde in die kühle Nordsee. Bestens gelaunt und Stolz, den Leuchtturm umrundet zu haben, paddelten wir zurück. Am Ende standen 25 Kilometer auf der Uhr.

Abends wollte ich eigentlich noch einmal auf Fangfahrt gehen. Doch unten bei den Kajaks entdeckte ich einen Makrelenschwarm direkt vor dem Haus. Also kurzerhand Makrelen gefangen, filetiert und so das Abendessen gesichert. Nach dem langen Tag war es gar nicht so schlimm, nicht nochmal rausgehen zu müssen.

Freitag, schon der letzte Paddeltag, auf dem Programm: eine Rundtour durchs Schärengebiet vor Farsund. Bei bestem Wetter entdeckten wir Blaubeeren und Preiselbeeren und kamen an einer Lachsfarm vorbei, die am Wendepunkt der Tour lag.

Der Rückweg übers offene Wasser glich einer Motorbootschnellstraße: Wellen aus allen Richtungen forderten unser Können, doch wir meisterten auch das ohne Probleme. Am späten Nachmittag verluden wir die Boote, kauften im Ort noch etwas für zuhause ein und versuchten, ein letztes Mal Fisch zu fangen – diesmal ohne Erfolg.
Nach einer Woche im hohen Norden stand die Rückreise nach Vennikel an. Bis Hamburg lief alles glatt, dann ein Stau im Elbtunnel. Um 1 Uhr nachts kamen wir an – erschöpft, aber glücklich.

Ein rundum gelungener „Paddelurlaub“ mit einer unschlagbaren Gruppe, super Wetter und vielen unvergesslichen Momenten.